Johannes Seld de Leubs

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Johannes Seld de Leubs ist eine Persönlichkeit des 15. Jahrhunderts aus Loibes im Waldviertel. Als Theologe und Jurist lehrte er an der Universität Wien, wo er mehrfach Rektor und Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät wurde. Er war Gesandter auf dem Konzil von Basel und wirkte im Alter als Geistlicher für das Stift Kremsmünster. Er wird auch mit anderen Namensformen wie zum Beispiel Johannes Seld de Lewbsa (nach dem alten Ortnamen von Loibes „Lewbusch“ vom slawischen „L’ubuša“), Johannes von Loibes, Johannes Seld de Lewbs, Johannes Selld oder Seldus von Loibes.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Lebensgeschichte

[bearbeiten] Herkunft

Johannes Seld de Leubs wurde „zehn Tage nach dem Tod des Raban Truchseß von Wilburgstetten auf dem Reichtag zu Nürnberg“ († 18. Oktober 1383), also am 28. Oktober 1383 in Loibes im Waldviertel geboren. Dort war der Großvater des Johannes durch Heirat in den Besitz des Gasthauses und einer Landwirtschaft gelangt. Sein Vater hieß Udalricus (Ulrich). Die Mutter aus einer in Loibes ansässigen Familie starb nach der Geburt.

Die Familie väterlicherseits besaß auch größere Weinanbauflächen in der Gegend von Krems, in der Wachau und in Langenlois, von wo der Großvater nach Loibes gekommen war. Als Kind wuchs Johannes Seld in Loibes bei seinen Großeltern auf, war aber oft auch beim Vater Ulrich, der sich am früheren Sitz der Familie in Langenlois um die dortige Wirtschaft kümmerte. Deshalb und wegen der großväterlichen Herkunft aus dem Ort nannte man Seld de Leubs später gelegentlich auch Johannes „Seld de Langlois“. Anfang der 1430er Jahre verkaufte Johann Seld de Leubs Weinberge aus dem Besitz seiner Familie an das Stift Kremsmünster.

[bearbeiten] Schule und Studium

Beziehungen des Vaters zum Abt Martin von Pohlheim (gest. 1399), ermöglichten Johannes den Besuch der Klosterschule des Stiftes Kremsmünster, wo ihm Abt Martin besonders zugetan war und ihn förderte. Zeit seines Lebens sollte er dem Kloster eng verbunden bleiben. Seine schulischen Leistungen erlaubten, dass er ab dem Winter 1400/1401 die Wiener Universität besuchte, wo er zunächst ein Studium der Theologie absolvierte. Ab dem Winter 1406/1407 studierte an der juridischen Fakultät. Im Winter 1419/1420 erwarb er das Lizenziat. Die Promotion zum Doktor erfolgte 1420/1421.

[bearbeiten] Universitätstätigkeit

Bereits vor seiner Promotion zum Doktor hatte Johannes Seld de Leubs an der Universität zu lehren begonnen. Schon im Sommer 1422 nahm er dann erstmals das ehrenvolle Amt des Rektors der Universität Wien wahr. 1425 wurde er Dekan der juridischen Fakultät der Universität. 1428 berief man ihn nochmals zum Rektor, worauf er im Folgejahr wieder die Funktion des Dekans für die rechtswissenschaftliche Fakultät übernahm.

[bearbeiten] Konzil von Basel

Ab 1432 war er für einige Zeit als Gesandter auf dem Konzil von Basel, das Papst Martin 1417 einberufen hatte und das bis 1449 dauerte. Johannes Seld de Leubs fungierte in Basel auch als Assistent von Leonhard von Laiming (1381-1541), des Fürstbischofs von Passau. Den ebenfalls auf dem Konzil wirkenden Nikolaus von Kues (1401-1446) lernte Seld de Leubs hier kennen und schätzen. Nikolaus von Kues hielt sich auf dem Konzil als Sekretär Ulrichs von Manderscheid auf, der 1430 bis 1436 Kurfürst und Erzbischof von Trier war. Nikolaus von Kues und Seld des Leubs bemühten sich beide um eine vermittelnde Rolle auf dem Konzil.

[bearbeiten] Wien und Krems

Nach seinem Wirken auf dem Konzil nahm Johann Seld de Leubs im Winter 1436 wieder seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien auf. Im Sommer 1437 berief man ihn abermals zum Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät, ebenso im Winter 1438/1440.

Dann nahm Johann Seld de Leubs Abschied von der Wiener Universität und verband sich als „Presbyter Johannes“ 1440 wieder enger mit dem Stift Kremsmünster. Dieses setzte ihn als Pfarrer in Schleißheim im heutigen Oberösterreich ein, dessen Pfarre mit ihrer dem heiligen Gallus geweihten Kirche zum Kloster gehörte. 1440/1441 schenkte Seld de Leubs dem Stift Kremsmünster Teile seiner Bibliothek mit wertvollen Handschriften. Sein Sterbedatum und die Umstände seines Todes sind bislang ungeklärt.

[bearbeiten] Verwendete Quellen

  • Honemann, Volker: „Zur Überlieferung des ‚Abstractum-Glossars’.“ In: Eva Schmittsdorf: Lingua Germanica. Studien zur deutschen Philologie. Münster 1998, S. 120.
  • Ising, Erika: Die Herausbildung der Grammatik der Volkssprachen in Mittel- und Osteuropa: Studien über den Einfluss der lateinischen Elementargrammatik des Aelius Donatus De octo partibus orationis ars minor. Berlin 1970, S. 36
  • "Johannes Seld (ID: 2147109216)", in: RAG, Repertorium Academicum Germanicum. URL: http://www.rag-online.org/gelehrter/id/2147109216
  • Müller, Johannes: Quellenschriften und Geschichte des Deutschsprachlichen Unterrichtes bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Gotha 1882
  • Schreiber, Georg: Deutsche Weingeschichte. Der Wein in Volksleben, Kult und Wirtschaft. Köln/Bonn 1980, S. 79.
  • Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige. Band 112. Sankt Ottilien 2001, S. 502.
  • Ukena, Elke: Die Deutschen Mirakelspiele des Spätmittelalters: Studien und Texte. Band 2. Lang Verlag 2008 (= Band 1 von Arbeiten zur Mittleren Deutschen Literatur und Sprache), S. 316.
  • Zeitschrift für Deutsche Philologie 1903, S. 162
  • Zeitschrift für die deutschösterreichischen Gymnasien, Band 38, S. 7

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